Dezember 2009
making of: Bayer Imagefilm 'Elements of Fascination'
Mit der Red One die Elemente zum Schweben bringen
Der neue Imagefilm von Bayer wurde von der facts+fiction Gmbh, Köln, zwischen August 2008 und Januar 2009 an 20 Drehtagen, auf 30 verschiedenen Sets und in fünf Ländern auf einer RED ONE gedreht. Die Postproduktion fand zwischen Januar und April 2009 statt.
Das Konzept
Die konzeptionelle Idee bestand darin die wissenschaftliche Arbeit bei Bayer mit kleinsten Teilchen und Partikeln, den Elementen zu zeigen und sie durch Menschen in der ganzen Welt zu spiegeln. Durch Menschen die virtuos oder spielerisch mit Materialien umgehen. Durch den Sand, der durch die Hände des buddhistischen Mönchs rieselt, wenn er ein Mandala aus Sand kreiert, oder durch das Mädchen, das mit ihrem Hund durch den herbstlichen Blätterhaufen tobt. Der Film sollte zu einem Kaleidoskop der verschiedensten Situationen werden, in denen Elemente und Partikel eine Rolle spielen. Elements of Fascination so lautet konsequenterweise der Titel des Films.
Faszination des Stofflichen
Die Ästhetik und Schönheit des Stofflichen wollten wir mit vielen realen Bildern in Zeitlupe und HD-Qualität einfangen. Schnell wurde die RED ONE in der Preproduction zur perfekten Option für dieses Projekt, da sie Zeitlupenbilder bis 120 Bilder/Sekunde bietet, gleichzeitig aber eine Bildanmutung hat, die mehr an Film als an Video erinnert. Zudem beansprucht die Arbeit mit einer RED ONE einen deutlich geringeren Teil des Budgets als eine Umsetzung auf Film. Neben der Möglichkeit hier als Produktionsfirma eine innovativen Weg gehen zu können, war die Kosten-Nutzen Relation natürlich ein nicht ganz unwesentlicher Grund für Bayer und facts+fiction, sich für den Einsatz der RED ONE zu entscheiden.
Panik und Realitäten
Ein Mix aus Tatsachen und Gerüchten, die gerade im Jahr 2008 um die RED ONE herum kursierten, machten uns die Entscheidung für diese Kamera aber nicht einfach. Für Kameramann Joachim Seck war es eigentlich ein Unding mit einer Kamera zu drehen, für die bei Produktionsbeginn noch kein Sucher ,sondern nur der onboard Monitor für den Assi verfügbar war. An den ersten beiden Drehtagen bei gleißendem Sonnenlicht in Holland am Meer und in der Wüste Nevada in Spanien eher eine Orientierungshilfe bei der Kadrierung, denn ein Sucher.
Belichtung
Vor Produktionsbeginn tauchten Gerüchte auf, die RED ONE könne lediglich vier Blenden abbilden. Im Internet fanden wir aber ausführlich beschriebene Tests, die auf einen wesentlich höheren Wert kamen. Dass solche Gerüchte kursierten, zeigt, wie unsicher die Branche war. Unsere eigene Erfahrung nach Abschluss der Dreharbeiten ergab, dass die Raw-Daten Belichtungsspielräume offenbarten, die man bei einer normalen HD-Produktion gar nicht hat, z.B. Zeichnung in einen ansonsten fast weißen Himmel zurückzuholen. Kritisch sind dagegen Unterbelichtungen. Korrekturen in der Post fördern leider sehr schnell kräftiges Rauschen in dunklen Bildpartien zutage. Eine exakte Belichtung ist bei der RED ONE also extrem wichtig. Unser Kameramann hat die RED ONE mit einer Empfindlichkeit von 250 ASA belichtet und eine Überbelichtung von mehr als zwei Blenden bei bildwichtigen Elementen vermieden.
Auflösung
Die 4 K einer RED ONE sind keine echten 4 K, das hat sich mittlerweile herumgesprochen, aber wie hoch ist die Auflösung wirklich? Das lässt sich nur durch systematische Tests bestimmen. Hier findet man unterschiedliche Angaben in Fachpresse und Internet. Wir hatten uns nach unserem Skateboard-Testdreh entschieden, die komplette Produktion in RED 2 K zu drehen. Nach den ersten beiden Drehtagen bekamen wir aber dann doch kalte Füße, weil der Schärfeeindruck bei Totalen in unserem Zielformat Full HD nicht optimal erschien. Den Rest der Produktion haben wir in 3 K gedreht. Nur Close-ups von Bewegungen, die auf jeden Fall in 120 Bildern/Sek. Zeitlupe laufen sollten, drehten wir in 2 K. Im fertigen Film sind die beiden Ausgangsformate auf Full HD konvertiert. Subjektiv lässt sich kein Unterschied ausmachen.
Kadrierung, Seitenverhältnis, Zeitlupe
Als Riesenvorteil, besonders bei baulich eng begrenzten Sets, erwies sich der Umstand, dass die Videovorschau die komplette Sensorfläche zeigt und nicht nur den Ausschnitt, den wir für 3K oder 2K gewählt hatten. Der Kameramann hatte daher auch immer im Blick, was sich hinter den Grenzen der Kadrierung abspielte, und konnte diese Informationen in sein Kamerahandling mit einbeziehen.
Alle Bilder wurden im Format 2:1 statt 16:9 aufgezeichnet. In der Postproduktion konnten wir bei verschiedenen Bildern einen subtilen Pan-Scan durchführen. Eine schöne, zusätzliche Option.
Die Zeitlupe mit zum Teil 120 f/s einfach per Knopfdruck in Realzeit kontrollieren zu können war für uns ein unschätzbarer Vorteil beim Dreh. Alle Nuancen, Details, Blicke, Emotionen sofort zu sehen war perfekt für die Entscheidung, ob die Szene sitzt oder nicht. Und man hat durch das Festplattensystem immer sofort Zugriff auf alle Takes und kann so bereits beim Dreh Vergleiche anstellen. Diese Möglichkeiten führen ganz eindeutig zu mehr Produktionssicherheit beim Dreh.
Datensicherung
Der Materialassistent, ein Fachmann für Datensicherung, ist bei einer RED ONE-Produktion unabdingbar. Der sorgfältige Umgang mit den generierten Daten ist dabei eine Selbstverständlichkeit. Denn in der professionellen digitalen Cinematografie verlagert sich die akribische Behandlung des Materials lediglich vom analogen zum digitalen Datenträger. Der Spezialist muss sich jetzt vor allem mit der Datenstruktur der RED ONE sowie mit Festplatten und Laptops auskennen.
Workflow
Nach monatelangen Ankündigungen und RED ONE-typischen Vertröstungen konnte Richard Klein, der Leiter der eyecatcher Postproduktion, das Projekt schließlich doch in unserer Wunschkonfiguration durchführen: die Raw-Daten wurden in der Feinschnittphase direkt in AfterEffects bearbeitet. Da der ganze Film an vielen Stellen aufwändige Compositings und CGI-Sequenzen hat, war das die optimale Vorgehensweise.
Zunächst wurden die im Drehprotokoll ausgewählten Szenen mittels „REDrushes“ in den qualitativ hochwertigen, aber äußerst effektiven Prores422 Codec gewandelt. Das Material ist dann zwar noch nicht farbkorrigiert, aber dennoch ganz ansehnlich. Anschließend fand der Rohschnitt in Media100 HD statt.
Nach der ersten Abnahme ließ sich der Rohschnitt aus Media100 ohne Zusatztools problemlos in eine AfterEffects Timeline übertragen, d.h. der Schnitt erscheint non-destruktiv bei vollem Zugriff auf die kompletten Prores-Files in AfterEffects. Jetzt können die Prores-Files durch die Original-RED-Raw-Files ersetzt werden. Das Ersetzen und das Skalieren der 2k/3k-Files auf HD 1080 wird dabei durch AE-Scripte unterstützt.
AfterEffects-Projekt
In AfterEffects ließ sich alles wie gewohnt zusammenfahren und kontrollieren, bis hin zum aufwändigen Color-Matching, das zum Teil mit getrackten Masken gefahren wurde. So ließ sich z.B. eine Gegenlichtszene, die wir in der spanischen Sierra Nevada ohne den Einsatz von zusätzlichem Licht gedreht hatten, durch verschiedene Maskenlayer und Color-Matchings in ein Bild verwandeln, das an HDR-Fotos erinnert - wobei hier in den aufgehellten dunklen Bildpartien schon sehr fein justierte Anti-Rauschfilter eingesetzt werden mussten. Da bleibt zu hoffen, dass die RED ONE in Zukunft lichtempfindlichere und rauschärmere Sensoren erhält.
Resümee
Rückblickend kann man sagen, dass die Entscheidung für die RED ONE goldrichtig war. Ihre vielen Vorteile überwiegen die wenigen Nachteile bei weitem. Es war unser Glück, dass die Verantwortlichen von BAYER unsere Entscheidung in einer Phase, als es in der Gerüchteküche über die RED ONE noch heftig brodelte, mitgetragen haben.
Der prämierte Film sowie ein umfangreiches 'Making of' sind unter Portfolio => Showreels abrufbar.